Das Amtsgericht in Bielefeld hat einen Rapper wegen Volksverhetzung zu einer sechsmonatige Freiheitsstrafe verurteilt. Das berichtete die Zeitung ”Neue Westfälische” am Donnerstag, 16. April 2009. Doch noch Tage nach dem Prozess ist ein Song mit offen rassistischen Inhalten auf seiner “MySpace”-Seite abrufbar.
Der 24-jährige Hobby-Musiker aus Bielefeld hatte laut “Neuer Westfälischen” (NW) ein “Gangsta-Rap”-Album zu Hause aufgenommen, das 16 Lieder enthält. Von diesen sollen mindestens vier rassistische Textpassagen enthalten.
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indizierte inzwischen diese Titel, in denen Ausländer als minderwertig dargestellt werden und zu rassistischer Gewalt aufgerufen wird. Auch das Logo des Rappers erinnert an den Wehrmachts-Adler.
“Geschichtsunterricht” heißt ein Song seines Albums, der eine Hitler-Rede zum Inhalt hat, in der der Diktator die Weimarer Republik verspottet, berichtete die NW.
“Gesunder Patriotismus”?
Dem als rechtsextrem geltenden Musikmagazin “Rock Nord” hatte der Bielefelder, der sich “King Bock” nennt, im vergangenen Jahr ein Interview gegeben. Warum sein Album “Walther – Steinar – Königssee” heißt, erklärt er so: “Walther (P99) steht für die schönste Handfeuerwaffe der Welt, (Thor) Steinar für die schönsten Klamotten der Welt und der Königssee ist einfach nur der schönste See der Welt”. Bei “Thor Steinar” handelt es sich um eine vor allem bei Neonazis beliebte Kleidungsmarke. Sein Album sei 31-000-mal heruntergeladen worden sein.
“Ich denke, ich habe einen gesunden Patriotismus und das hat weder was mit Volksverhetzung noch mit Nationalsozialismus zu tun”, bekundete der Rapper gegenüber “Rock Nord”. Er hofft auf ein “Comeback” von “Nationalstolz und Selbstbewusstsein”.
“Ich bin ein Fan von ‘History X’”
In dem Song “Ich kann sagen was ich will”, der auf der “MySpace”-Seite des Hip-Hop-Musikers zu hören ist, heißt es unter anderem: “Ich bin ein Fan von ‘History X’ und lasse dich probieren wie hier der Bordstein schmeckt.” Außerdem ist von “Ritterkreuz” und “Eichenlaub” die Rede.
Im amerikanischen Film “History X” ermordet ein Neonazi einen Schwarzen durch einen sogenannten “Bordsteinkick”. In Brandenburg hatten Rechtsradikale einen Jugendlichen 2002 mit dieser Methode umgebracht. Im folgenden Prozess gegen die drei jugendlichen Neonazis kam heraus, dass der Film offenbar als Vorlage gedient hatte.
Seitdem zeigen viele Rechtsradikale Sympathien mit ”American History X”, der eigentlich die Gefährlichkeit der US-amerikanischen Neonazi-Szene zeigt. In Online-Foren wird dieser häufig als “Lieblingsfilm” angegeben.
