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Burgwedel: Stadt will SS-Männern gedenken

3. November 2009

Die Stadt Burgwedel (Region Hannover) will zum Volkstrauertag ein Mahnmal „für die Opfer von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft“ einweihen, das unter anderem an Mitglieder der SS erinnert. Die Schutzstaffel war verantwortlich für Millionen von Toten.

Inzwischen schaltete sich das Simon-Wiesenthal-Center ein. Die Stadt hatte zuvor eine Pressemitteilung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) vom 26. Oktober „nachdrücklich“ zurückgewiesen. In einer Mitteilung beteuert die Stadt Burgwedel, sämtliche Militärangehörige seien „im Hinblick auf Verstrickungen in Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ durch zwei Stellen „überprüft worden“. Wieso dennoch mindestens fünf Angehörigen der mörderisch-nationalsozialistischen SS sowie einem Mitglied des NS-„Sicherheitsdienstes“, der maßgeblich an der Organisation des Holocausts beteiligt war, auf dem Mahnmal geehrt werden sollen, schreibt die Stadt nicht.

Die DIG gibt in ihrer ersten Stellungnahme zu dem Thema an, die Großburgwedeler Soldatenkameradschaft hätte die Debatte um ein „Ehrenmahl“ für im Zweiten Weltkrieg vermisste und umgekommene Burgwedeler Soldaten angestoßen. Unterstützung habe die Soldatenkameradschaft bei dem Ortsbürgermeister gefunden, der „Vorstandsmitglied der ortsansässigen ‚General-Wöhler-Stiftung’“ sei. Der Wehrmachts-Offizier Wöhler war 1948 in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden.

Der Vorsitzende der DIG, Kay Schweigmann-Greve, erklärte, die Deutsch-Israelische-Gesellschaft habe „kein Verständnis für diesen rückwärtsgewandten Spuk“.

Inzwischen meldete sich in dem Fall auch das Simon-Wiesenthal-Center in Jerusalem zu Wort. In einer Stellungnahme heißt es, das Wiesenthal-Center, das sich mit dem Holocaust auseinandersetzt, fordert die Gemeinde auf, auf die Ehrung der SS-Angehörigen zu verzichten.

„Eine solche Ehrung verunglimpft NS-Opfer“, so der Leiter des Wiesenthal Centers in Jerusalem, Doktor Efraim Zuroff. Täter und Opfer werden vermischt. „Die Waffen-SS ist eine verbrecherische Organisation. Es verbietet sich normalerweise von selbst, ihre Mitglieder namentlich zu ehren“. „Angehörige der Waffen-SS haben Konzentrationslager bewacht und Massenerschießungen durchgeführt. Wir fordern die Stadt Burgwedel daher dringend dazu auf, das geplante Mahnmal zu überdenken“, so Zuroff weiter.

Das Wiesenthal-Center, dessen Hauptsitz sich in Los Angeles befindet, ist nach dem Nazi-Jäger Simon Wiesenthal benannt, der nach seiner Befreiung aus dem KZ Mauthausen weltweit zahlreiche NS-Verbrecher aufspürte und der Gerichtsbarkeit zuführte.

Die Stadt hat noch nicht auf die Stellungnahme des Wiesenthal-Centers reagiert.

Kategorie: News