Die „Freien Kräfte Hannover“ wollen in den nächsten Tagen ihre rechte Schülerzeitung in hoher Auflage in der niedersächsischen Landeshauptstadt und der Region verteilen. Das Blatt enthält vor allem antidemokratische, rassistische und antiamerikanische Hetze. Ein Jugendpresse-Verband ruft dazu auf, sich den Neonazis beim Verteilen in den Weg zu stellen.
Vom „Bock“, so nennt sich die 16 Seiten umfassende Jugendzeitung der parteiunabhängigen Neonazis aus Hannover, sollen 20 000 Exemplare verteilt werden. Das kündigen die Rechtsradikalen in einer Pressemitteilung an. Untertitel des Blattes: „Sprachrohr der Gegenkultur“.
Die „Junge Presse Niedersachsen“ berichtet, dass bereits an mindestens einer Schule das ausländerfeindliche Pamphlet verteilt worden ist. Der Jugendpresse-Verband findet es „unerträglich“, dass ein solches Blatt an Schulen verbreitet wird. „Der Bock verherrlicht die NS-Ideologie und denunziert unsere Mitbürger ausländischer Herkunft. Dies können und werden wir nicht tolerieren!“ Der Verband will Anzeige erstatten und versuchen, die Verbreitung durch eine Einstweilige Verfügung zu stoppen. Außerdem animiert er Schüler von betroffenen Schulen, über das Problem aufzuklären und das Verteilen auf dem Schulgelände zu verhindern.
„Korruptes System“ und seine „Helfershelfer“ demaskieren
Im Vorwort stellen die Neonazis fest, dass ihre Zeitung eine „Werkstatt für Widerstand und Rebellion“ sei. Sie wollen „Aufruhr in die Köpfe tragen“. Ziel sei es, die „Legitimation dieses korrupten liberalen Staates zu unterminieren“ und „seine Helfershelfer zu demaskieren“. Deutlich werden die Zeitungs-Schreiber, wenn sie feststellen: „Die sogenannten westlichen Werte gegen uns am Arsch vorbei.“
Die Zeitung soll junge und „junggebliebene“ Menschen ansprechen, heißt es in der Mitteilung der Neonazi-Truppe, die enge Kontakte zur NPD in Hannover aufweist. Scheinbar harmlose Polemik, hinter der sich blanker Rassismus verbirgt, soll als Türöffner dienen: „Ausländerintegration heißt bei uns Rückführung und ein mit Schoko überzogenes Schaumgebäck bleibt ein ‚Negerkuss’.“
Ein Interview mit der Hannoverschen Rechtsrock-Band „Nordfront“ ist ebenfalls im Heft zu finden. Darin ruft die Gruppe unter anderem zu politischen Aktionen auf.
In der ersten Ausgabe finden sich zudem mehrere Zitate des Freikorps-Kämpfers Hartmut Plaas. Obwohl Plaas als Gegner Hitlers gilt, ist seine politische Ausrichtung durchweg völkisch-antisemitisch einzuordnen. So leitete er als NSDAP-Mitglied die „Völkische Rundschau“.
Aus ihrer antidemokratischen Haltung machen die Verfasser des Blattes, in dem als Impressum lediglich ein Postfach angegeben ist, keinen Hehl. Ein „Würgen im Hals“ bekämen sie, wenn sie an den „Reichstag“ denken, „weil der zwar so heißt, aber der Bundestag drin sitzt“. Das Postfach gehört offenbar der NPD, war es bis vor kurzem noch als offizielle Kontakt-Anschrift auf der Website des NPD-Unterbezirks Hannover zu finden. Marc-Oliver Matuszewski, Vorsitzender der örtlichen NPD-Gruppe, fungiert als Bindeglied zwischen den “Freien Kräften” und der völkischen Partei.
Das Motto der Jugendzeitung „Bock“ lautet „Das was fällt, das muss man stoßen!“ Was fallen soll scheint klar: Das „System“. Zum „ganzen System“ merken die selbsternannten Redakteure an: „Wir hassen es nicht – wir verachten es!“
Neonazi-Kameradschaft hilft beim Verteilen
Die neonazistische „Kameradschaft 73“ aus Celle hat offenbar geholfen, die ersten Exemplare in den Umlauf zu bringen. Im Internet sind mehrere Bilder veröffentlicht worden, auf denen unter anderem ein Kader der Kameradschaft die Hefte in Hannover an Schüler, die aus der U-Bahn steigen, verteilen. Rund 4000 Zeitungen seien bereits ausgeteilt worden, auch in Celle sollen die Blätter an Jugendliche abgegeben werden, schreiben die Neonazis auf ihrer Internetseite.
