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Neonazi-Kader organisierte Hool-Konzert

26. Juli 2010

Die Schützenhalle in Salzkotten-Scharmede, in der das »Kategorie C«-Konzert stattfand (Foto: dcp)Rund 400 Fans der Band „Kategorie C“ haben am Samstag, 17. Juni, im ostwestfälischen Salzkotten bei Paderborn zu Live-Musik der rechten Musik-Kombo aus Bremen gefeiert. In eine Schützenhalle im Stadtteil Scharmede hatten sich die Organisatoren eingemietet.


Die Band “Kategorie C” ist bei Neonazis sehr beliebt  (Foto: T. Korn)

Einer der Veranstalter war der Neonazi Marcus Winter (Jahrgang 1979). Er war Anführer der militanten Kameradschaft „Nationale Offensive Schaumburg“, bis dieser ein Verbot drohte. Bei der Bundestagswahl 2005 kandidierte er für die NPD in Schaumburg/Nienburg, sein Vorstrafenregister ist lang und reicht von Beleidigung über gefährliche Körperverletzung bis Freiheitsberaubung. Inzwischen wohnt er in Ostwestfalen, hat sich aber in keiner Weise von der rechten Szene gelöst.

Der Neonazi Marcus Winter (links) mit dem Hannoveraner NPD-Chef Marc-Oliver Matuszewski vor einigen Wochen in Hildesheim bei einer Demo (Foto: T. Korn)Bis vor wenigen Monaten saß Winter noch im Gefängnis – unter anderem wegen Volksverhetzung. Seit seiner Haftentlassung im Frühjahr war er lediglich bei einer Gerichtsverhandlung gegen ihn selbst und bei einer Neonazi-Demo im niedersächsischen Hildesheim öffentlich aufgetreten. Jedoch ist er als Initiator des alljährlich in Bad Nenndorf (Kreis Schaumburg) stattfindenden neonazistischen Trauermarsches in diesem Jahr wohl erstmalig wieder in die Organisation des Großaufmarsches in der Kurstadt eingebunden.

Laut einem Berichtes der „Neuen Westfälischen“ hatte der Neonazi-Kader Winter alkoholfreie Getränke bei einem nahen Händler geordert. Offenbar hatten die Veranstalter mit mehr Besuchern gerechnet – ein Großteil der auf Kommission gekauften Kisten ging wieder zurück.

Wie der Staatsschutz in Bielefeld örtlichen Medien gegenüber erklärte, seien ein Drittel der knapp 400 angereisten „Kategorie C“-Anhänger der rechtsextremen Szene zuzuordnen, ein weiteres Drittel gehöre dem Hooligan-Milieu an. Das letzte Drittel der Besucher sei der „Musik-Szene“ zuzurechnen. Die allermeisten nicht-rechten Musik-Begeisterten würden aber wohl kaum den Weg zu einem derart konspirativ geplanten und durchgeführten Konzert finden.

Streng geheimes Konzert mit Hooligans

Einige Tage vor der Veranstaltung wurden im Internet „Info-Nummern“ bekannt gegeben, bei denen die Interessierten dann am Samstag Instruktionen zur Anreise erfragen konnten. Zwei Rasthöfe an der Autobahn 2 zwischen Gütersloh und Bielefeld dienten als „Schleusungspunkte“. Zwischen 18 und 20 Uhr konnten die Gäste zu den Parkplätzen an der Autobahn kommen. Nach einer Sichtkontrolle ging es dann in Kolonnen rund 40 Kilometer südlich Richtung Paderborn. Von der Autobahnabfahrt waren es dann nur noch wenige Minuten bis zum Ziel, der Schützenhalle in Scharmede.

Die Gäste stammten überwiegend aus Ostwestfalen-Lippe, dem Ruhrgebiet und dem nahen Niedersachsen. Auch Fangruppen des Bundesligisten Arminia Bielfeld sympathisieren offenbar mit der rechten Band „Kategorie C“, die auch als „Hungrige Wölfe“ bekannt ist. Unzählige Aufkleber der Ultra-Gruppe „Blue Honour Bielefeld“ sind in der Umgebung der Veranstaltung an Laternen und Schilder geklebt worden. Bislang ist die in Versmold (Kreis Gütersloh) gegründete Fan-Gruppe nicht öffentlich in Zusammenhang mit Neonazis aufgetreten. Auch Paderborner Ultras beziehungsweise Hooligans sollen bei dem Konzert der „Wölfe“ im Landkreis Paderborn gewesen sein. Wie das „Westfalen-Blatt“ im April berichtete, sind dem Staatsschutz in Ostwestfalen jedoch keinerlei Vernetzungen zwischen Fußballfan- und Neonazi-Szene bekannt.

„Geburtstagsparty“ in der Schützenhalle

Als Geburtstagsparty war die Halle angemietet worden und so der vermietende Verein getäuscht worden, berichtete der Schützenverein nach Bekanntwerden des Konzertes in der Lokalpresse. Der Vorsitzende stellte klar: „Die wollen wir hier nicht haben.“

Kategorie: News