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Wolfsburg: “Liederabend” mit Neonazis

26. Juli 2009

Zu einem “nationalen Liederabend” haben Neonazis am vergangenen Sonnabend, 25. Juli, in das von NPD-Vize Jürgen Rieger gepachtetes ehemalige Möbelhaus in Wolfsburg geladen. Mehrere Dutzend Neonazis kamen in das Gebäude mit angeschlossener Lagerhalle und lauschten offenbar auch einem Vortrag.

Etwa 50 Neonazis versammelten sich ab dem frühen Abend in dem ehemaligen Möbelgeschäft. Beobachtet wurden die Rechtsradikalen von der Polizei, die offenbar erst kurzfristig von dem Treffen erfuhr.

Geworben hatten die Organisatoren mit einem “nationalen Liedermacher aus Berlin”. Spekulationen, dass der Sänger der als kriminelle Vereinigung verbotenen Rechtsrock-Band “Landser”, Michael Regener, nach Wolfsburg auftreten sollte, sind offenbar falsch. Der heute als “Lunikoff” agierende Regener lockt nämlich üblicherweise weitausmehr Neonazis zu seinen Konzerten. Vor wenigen Wochen waren rund 4000 Rechte zu einem NPD-Fest gekommen, auf dem die “Lunikoff-Verschwörung”, die neue Gruppe um den ehemaligen “Landser”-Sänger, spielte.

Nach Informationen, die indi-rex vorliegen, soll am Abend auch eine Informationsveranstaltung in den Räumen durchgeführt worden sein. Vorwiegend soll es in dem Vortrag um den neonazistischen “Trauermarsch” in Bad Nenndorf (Kreis Schaumburg) am kommenden Sonnabend, 1. August, gegangen sein.

Vorwiegend Neonazis aus dem Raum Braunschweig, Helmstedt und Salzgitter kamen in dem Möbelhaus zusammen. Weitere parteiunabhängige Rechtsradikale kamen aus der Region Hannover sowie Schaumburg. Darunter waren auch zwei Personen, die in Zusammenhang mit dem Angriff auf einen Fotografen bei der Gründung eines “Kraft durch Freude”-Vereins in dem ehemaligen Möbelhaus Anfang Juli als mutmaßliche Täter gelten.

Unter den Teilnehmern waren auch zahlreiche Mitglieder der neonazistischen “Burschenschaft Thormania” aus Braunschweig. Einige der “Kameradschafts”-Anhänger sorgten an den Eingängen und Zufahrten für “Ordnung”.

Trotz der anwesenden Polizei bedrohten und beleidigten einige Neonazis wiederholt anwesende Journalisten. Bei der Gründung des “Kraft durch Freude”-Museumsvereins am Sonnabend, 4. Juli, war es zu einer Attacke von mehreren Rechten auf einen Pressefotografen gekommen, bei der der Journalist verletzt wurde. Weitere Pressevertreter wurden damals bedroht. Außerdem schleuderte ein Rechter eine Flasche auf einen weiteren Fotografen, der jedoch ausweichen konnte.

Sowohl am vergangenen Sonnabend als auch am 4. Juli waren auch die als äußerst gewalttätig geltenden “Autonomen Nationalisten” anwesend. Der Deutsche Journalistenverband hatte die “neue Qualität rechter Gewalt gegenüber Journalisten” scharf verurteilt.

Rund 15 Neonazis verließen am Sonnabend die Veranstaltung bereits gegen 20 Uhr. Einer von ihnen war die Führungsfigur der “Freien Kräfte Hannover Umland”, die bisher als “Autonome Nationalisten” in Wunstorf (Region Hannover) auftraten.

Das sich in den Händen von Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger aus Hamburg befindliche Gebäude in Wolfsburg entwickelt sich zu einem Veranstaltungszentrum für Rechtsradikale im Osten Niedersachsens. Die Räumlichkeiten bieten samt angeschlossener Halle reichlich Platz für “Liederabende” und Schulungsveranstaltungen. Auch für die “Kameraden” aus Sachsen-Anhalt ist das große Gebäude offenbar interessant. Bei dem Gründungstreffen waren neben Neonazis aus weiten Teilen Niedersachsens auch Rechte aus Sachsen-Anhalt anwesend.

Kategorie: News