Ein rechtes Tattoo-Studio eröffnet im kleinen niedersächsischen Ort Beckedorf in Schaumburg im Oktober. Der Betreiber des Geschäftes ist kein Unbekannter: Er ist ein bekannter Neonazi, der vor drei Jahren mit einem Morgenstern bewaffnet nach einem Aufmarsch im nahegelegenen Bad Nenndorf randalierend umhergelaufen war und bereits einen Tattoo-Laden besaß.
Bereits seit über einem Jahr dient die Wohnung, die direkt an der durch den rund acht Kilometer östlich von Stadthagen gelegenen Ort führende Bundesstraße liegt, als Anlaufstelle für die regionale und überregionale Neonazi-Szene. Das weiß Szene-Kenner Sven Bolte (Name geändert). Regelmäßig stünden die Autos von NPD-Kadern aus Verden und Fahrzeuge von Führungsfiguren der Schaumburger Neonazi-Szene vor dem Haus, so Bolte.
Rechtsradikale in Nordschaumburg
Die rund 1600 Einwohner zählende Gemeinde Beckedorf gehört zur Samtgemeinde Lindhorst in Nordschaumburg. Auch in Lindhorst gibt es seit Jahren einen Treffpunkt für Rechtsradikale: Die Neonazi-Wohngemeinschaft im Haus eines Lindhorster Rechten, der unter anderem den „Stützpunkt“ der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) im Landkreis Schaumburg mit aufgebaut hat. Mehrmals wurde der junge Mann, der vor etwa einem Jahr frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde, wegen Gewaltdelikten straffällig. Bei einem NPD-Aufmarsch in Rotenburg an der Wümme schlug er 2004 beispielsweise einen Nazi-Gegner mit einer Holzlatte ins Gesicht und zertrümmerte ihm das Jochbein.
Zwischenzeitlich wohnten in dem Haus in Lindhorst auch weitere Kader der „Nationalen Offensive Schaumburg“ wie Marcus Winter und Marco Siedbürger. Beide verbüßen zurzeit Haftstrafen. Ebenfalls im Gefängnis sitzt ein weiterer Schaumburger Neonazi, der verurteilte Totschläger Bernd Schuster, der zeitweilig auch in dem Wohnhaus lebte.
Studio in Rinteln seit zwei Jahren geschlossen
Bereits vor mehreren Jahren führte der Inhaber des neuen Geschäftes in Beckedorf ein Tattoo-Studio in der Mühlenstraße in Rinteln. Der Rintelner Laden schloss 2007. Auf der Internetseite warb „Dark Image“ unter anderem mit dem Symbol des verbotenen Neonazi-Netzwerks „Blood & Honor“. Nach Informationen von Szene-Kenner Bolte soll der Betreiber auch einen gleichnamigen Laden in Stadthagen besessen haben. Nach einem Neonazi-Aufmarsch 2006 in Bad Nenndorf lief der damalige Betreiber des „Dark Image“ mit einem Morgenstern randalierend durch Bad Nenndorf.
In dem Rintelner Geschäft ließ der Inhaber, der nun am Donnerstag, 1. Oktober, das neue Studio in Beckedorf eröffnet, einen Neonazi-Kader aus Lindhorst als Praktikanten arbeiten, was letztlich zu einer neuerlichen Bewährungsstrafe vor Gericht führte, sodass der Rechtsradikale nicht umgehend hinter Gitter musste.
Die „Kritische Initiative Schaumburg“ sieht die Eröffnung des Ladens als Versuch, rechtes Gedankengut in den Alltag zu bringen. „Wenn ein solches Geschäft in einem Dorf öffnet und auf Akzeptanz stößt, wird es normal, mit Neonazis Geschäfte zu machen“, so ein Sprecher. Die Zivilgesellschaft dürfe in Beckedorf „nicht wegsehen“.




