Am Freitag hat das Lokalblatt “Schaumburger Nachrichten” über eine WM-Feier in Haste in der Samtgemeinde Nenndorf berichtet. Zur Party seien mehr als 200 Gäste gekommen, schreibt die Zeitung, “viele gekleidet in Deutschlandtrikots, geschminkt in Schwarzrotgold oder wild schwenkend mit Deutschlandfahnen”. Das Foto zum Artikel zeigt jedoch nicht nur Fans mit schwarz-rot-goldenen Bannern, sondern auch eine Reichskriegsflagge aus der Kaiserzeit. Eine Erklärung im Bildtext und dem Artikel sucht man vergebens.

Ausschnitt aus den “Schaumburger Nachrichten” (25. Juni)
Am Gasthaus Seegers in Haste fanden sich beim Deutschland-Spiel gegen Ghana offenbar nicht nur WM-Begeisterte, sondern auch stramme Nationalisten ein. Das Zeigen der Reichskriegsfahne, die bis 1919 beziehungsweise 1921 in Gebrauch war, ist zwar nicht verboten, der Verfassungsschutz listet die Reichskriegsflagge jedoch unter dem Begriff “Symbole und Zeichen der Rechtsextremisten” auf. Laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz kann die Polizei solche Fahnen sicherstellen, wenn so Gefahren für die öffentliche Sicherheit abgewehrt werden. Dass die Flagge in Haste beschlagnahmt wurde, ist nicht bekannt.
Neonazis verwenden die Fahne, auf der die Farben des Deutschen Reiches – schwarz, weiß, rot – und ein Eisernes Kreuz zu sehen sind, als Ersatz für die verbotene nationalsozialistische Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz.
Ergänzung (4. Juli): Die “Schaumburger Nachrichten” berichteten nach einigen Tagen über den Vorfall und zitierten den Gastwirt mit den Worten: “Bei allen zukünftigen Veranstaltungen werden wir aktiv überwachen, dass derartige Insignien nicht gezeigt werden, die haben nämlich auf einem Fanfest nichts zu suchen”. Zuvor hatte die Zeitung das Foto kommentarlos von der Website entfernt. Unter anderem hatte der Zeit-Störungsmelder über das Zeitungsfoto mit Reicchskriegsflagge berichtet.
