Rund 120 Neonazis haben am vergangenen Samstag im östlichen Ruhrgebiet an einem Rechtsrock-Konzert teilgenommen. Die Gäste, die nicht von der Polizei beobachtet wurden, berichten in einschlägigen Internet-Foren, dass neben neonazistischen Songs auch “Sieg Heil” gegrölt wurde.
Mit sechs einschlägigen Neonazi-Bands war die Veranstaltung in einer innerhalb der Szene kursierenden Ankündigungs-Mail beworben worden. Die Gruppen “Libertin” aus Dortmund, “Thrima” aus dem mecklenburg-vorpommerschen Niepars (Kreis Nordvorpommern), die nordrhein-westfälischen “Angry Bootboys”, “Painful Awakening” aus Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, “Fight Tonight” aus Sachsen-Anhalt sowie ein gewisses “Projekt Chaos” – im Ankündigungs-Text noch “Projekt C” genannt – spielten dann auch am Samstag.
“Fight Tonight”, das Nachfolgeprojekt der Rechtsrock-Combo “Hate Soldiers”, trat bereits bei Konzerten des in Deutschland verbotenen rechten Netzwerks “Blood & Honor” und bei NPD-Veranstaltungen auf. Auch andere Bands, die am Samstag auf der Bühne standen, traten in der Vergangenheit immer wieder bei neonazistischen Festen und Konzerten auf. So auch “Libertin” aus dem Umfeld der Dortmunder “Autonomen Nationalisten”.
Das Konzert war, wie in Westdeutschland inzwischen üblich, konspirativ organisiert und durchgeführt worden. An einem Infotelefon mussten die Besucher den Ort des “Schleusungspunktes” erfragen. Bis 16 Uhr wurden die interessierten Gäste in den “Großraum Dortmund” gelotst. Dann sollten die Anreisenden auf einen Parkplatz an der Autobahn 45 nahe Hagen kommen, dort erhielten sie nach einer Gesichtskontrolle durch die “Schleuser” eine Wegbeschreibung zum Veranstaltungsort.
Das zweistöckige Gebäude, in dem die Rechtsradikale ihre Party mit antisemitischer, rassistischer und nationalistischer Hetze feierten, sei für deutlich mehr als die anwesenden rund 120 Gäste ausgelegt gewesen, heißt es in einem Neonazi-Portal im Internet. Es seien auch niederländische Rechtsradikale gekommen. Zudem seien “Sieg Heil”-Rufe zu hören gewesen. Ein Mitglied der Rechtsrock-Band “Rotte Charlotte” aus Mönchengladbach war zugegen und soll auch einen kurzen Auftritt gehabt haben.
Dem Staatsschutz der Polizei Dortmund – zuständig auch für den Hochsauerlandkreis und den Landkreis Unna, wo die Veranstaltung offenbar stattfand – lagen am Dientag keine Erkenntnisse über das Konzert vor. Ein Neonazi aus Essen fasst es in einem rechten Forum so zusammen: “Ein sehr gutes Konzert ohne Stress und Bullen.”
Neben der Neonazi-Feier in Nordrhein-Westfalen wurde am Samstag auch ein “Hatecore”-Konzert in der Nähe von Arnstadt (Ilm-Kreis) in Thüringen durchgeführt. Hier war der Veranstaltungsort bereits im Vorfeld bekannt.
