Das Urteil gegen den Neonazi Marco Siedbürger ist am Dienstag, 23. Juni 2009, vor dem Landgericht Detmold (Kreis Lippe) bestätigt worden. Da Siedbürger seine Berufung, die er nach dem Urteil des Amtsgerichts eingelegt hatte, zurückzog, sind die 14 Monate Haft rechtskräftig. Der militante Neonazi hatte 2008 in einem Kommunikationszentrum in Detmold einen Menschen verletzt und versucht mit einem Bierglas zuzuschlagen.
Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung, versuchter gemeinschaftlicher Körperverletzung und Beleidigung muss Siedbürger nun ein Jahr und zwei Monate ins Gefängnis. Diese Strafhaft trat er auch heute an.
Im April, rund einen Monat nach der Verurteilung durch das Amtsgericht (siehe Bericht), wurde Siedbürger in Hille (Kreis Minden-Lübbecke) verhaftet. Zuvor hatte eine Gruppe Neonazis in Wunstorf (Region Hannover) zwei Jugendliche überfallen und schwer verletzt (Hintergründe). Siedbürger und ein 19-Jähriger wurden von der Polizei als mutmaßliche Täter festgestellt. Zwei Wochen später klickten dann die Handschellen in Hille, da die Staatsanwaltschaft Hannover einen Haftbefehl erlassen hatte – wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr.
Als 17-Jähriger hatte Siedbürger als Skinhead gemeinsam mit einem Gesinnungsgenossen in Eschede (Kreis Celle) einen Mann so schwer zusammengeschlagen, dass dieser daraufhin qualvoll starb. Dafür war er zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Zahlreiche weitere Straftaten folgten, die zum Teil zu Bewährungsstrafen führten.
Mit Siedbürger ist eine weitere Führungsfigur der “Nationalen Offensive Schaumburg”, die trotz offizieller Auflösung weiter existiert, in Haft. Marcus Winter bleibt offenbar auch während des eigentlich von ihm angemeldeten “Trauermarsches” am Sonnabend, 1. August 2009, in Bad Nenndorf (Kreis Schaumburg) im Gefängnis. Im zurückliegenden Jahr hatte Christian Müller die Funktion des Versammlungsleiter übernommen. Winter sorgte während seiner jetzigen Haftzeit für Aufsehen, weil er bei einem neuen Flugblatt zum Aufmarsch als Verantwortlicher auftrat – mit der Anschrift der Bückeburger Justizvollzugsanstalt.
Währenddessen beteiligt sich jedoch wieder ein anderer Neonazi-Kader aus Lindhorst (Kreis Schaumburg) regelmäßig an rechten Aktivitäten. Er betreute im thüringischen Arnstadt einen Info-Stand für den “Trauermarsch” in Bad Nenndorf. Auch bei der Sonnwendfeier am vergangenen Wochenende in Eschede, zu der rund 250 Neonazis kamen, reiste der junge Mann, der 2004 am Rande einer rechten Demo einen Gegendemonstranten schwer verletzt hatte, an. In Eschede war ebenfalls ein Stand mit Broschüren und Flyern für den “Trauermarsch” aufgebaut.
