Das Amtsgericht in Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) hat am Mittwoch zwei Neonazis zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Rechtsradikalen vor rund einem Jahr eine Linke verprügelt hatten.
Eine Gruppe von über 20 Neonazis war in der Tatnacht im März 2009 in Wunstorf (Region Hannover) von einer Geburtstagsfeier im Jugendzentrum “Bau-Hof” zum Bahnhof gekommen - offenbar um eine Konfrontation mit Antifaschisten zu suchen. Als die Rechten auf zwei Linke trafen, schlugen und traten sie solange auf eines der Opfer ein, bis die junge Frau bewusstlos wurde.
Der zurzeit eine Haftstrafe wegen Körperverletzung verbüßende Marco Siedbürger, Aktivist der gewalttätigen “Nationalen Offensive Schaumburg” und deren Nachfolgestrukturen, muss erneut wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und zehn Monate in Gefängnis.
Der ebenfalls verurteilte Mittäter Christian W. aus Wunstorf erhielt eine neunmonatige Jugendstrafe auf Bewährung. Er muss zudem an einem Sozial-Training teilnehmen. W. versucht seit rund zwei Jahren, in der westlichen Region Hannover neonazistische Strukturen der “Autonomen Nationalisten” aufzubauen.
Richter Thomas Bösche wirkte während des Verfahrens, das sich seit August vergangenen Jahres hinzieht, teilweise unbeholfen. Unter anderem raunte er die junge Frau, die Opfer des Überfalls geworden war, an, weil sie einen Pullover der Marke ”Lonsdale” trug – offenbar im Glauben, es handele es sich dabei um ein rechtsradikales Label.
Der Prozess fand unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Zahlreiche Zeugen aus der rechten Szene in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden zu den Vorfällen befragt. Nach dem Urteilsspruch am Mittwoch kündigte Siedbürgers Verteidiger an, in Berufung zu gehen.
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