Informationsdienst Rechtsextremismus

Wunstorf: Neonazis greifen Jugendliche an

15. März 2009

Neonazis haben in Wunstorf (Region Hannover) in der Nacht zu Sonntag, 15. März 2009, einige Jugendliche angegriffen und zwei von ihnen schwer verletzt. Einer der mutmaßlichen Täter ist ein rechtsradikaler Gewalttäter, der jüngst wegen Körperverletzung erneut verurteilt worden war.

Rund 40 Rechtsradikale, die größtenteils dem Spektrum der “Autonomen Nationalisten” zugerechnet werden, waren nach Zeugenaussagen an dem Übergriff beteiligt.

Die beiden Opfer mussten im Krankenhaus behandelt werden. Zwei Neonazis im Alter von 19 und 27 Jahren wurden von der Polizei festgenommen. Bei dem 19-Jährigen handelt es sich offenbar um den Kader der Wunstorfer “Autonomen Nationalisten”, bei dem 27-Jährigen um den rechten Schläger Marco Siedbürger, der bereits mehrfach verurteilt worden ist. Anfang März war er vom Amtsgericht Detmold (Kreis Lippe) zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden (Bericht). Er blieb jedoch vorerst auf freiem Fuß.

Inzwischen ist bekannt geworden, dass die Gruppe Neonazis in dem Wunstorfer Jugendzentrum “Der Bau-Hof” gefeiert hatte, bevor sie offenbar das nahe des Bahnhofs gelegene Kultur- und Kommunikationszentrum “Wohnwelt” angreifen wollten und dabei zwei Menschen verletzten.

In einer Presseerklärung teilte die “Wohnwelt” am Montag mit, dass sich eine 40- bis 50-köpfige Gruppe Neofaschisten nach Mitternacht mit Hitlergrüßen in Richtung des Kulturzentrums bewegte. Zwei Streifenwagen der Polizei hätten die Rechtsradikalen aufgehalten. Anschließend seien zwei Personen vor dem Bahnhof attackiert worden. Die Täter hätten sich erst durch Polizeibeamte von ihrem Handeln abbringen lassen.

Die “Wohnwelt” geht bei der Tat von einer geplanten Aktion aus. Bereits in der Vergangenheit hatten Neonazis aus der Region, denen das alternative Zentrum offenbar ein Dorn im Auge ist, Menschen in der Umgebung angegriffen und das Gebäude beschädigt. Nun fordern die Verantwortlichen Konsequenzen und ein Brechen “mit der Ignoranz gegenüber einer erstarkenden rechtsradikalen Szene in Wunstorf”.

Über einen vermeintlichen Aufmarsch von Neonazis am Sonnabend, 14. März 2009, im Hannoverschen Stadtteil Linden gibt es hingegen keine gesicherten Informationen. Offenbar waren es Ultras des Fußballclubs “Hannover 96″, die dort randaliert haben sollen. Die Ultra-Szene in der niedersächsischen Landeshauptstadt ist in Teilen eng mit “Autonomen Nationalisten” verknüpft. Beispielsweise begleiteten am 1. Mai 2008 in Hamburg den NPD-Aufmarsch, bei dem Gegendemonstranten, Journalisten und Einsatzkräfte schwer verletzt worden waren, auch Mitglieder von “Royal Riot Hannover”.

Kategorie: Allgemein